19.01.2004
Sterne, Rolls und Petticoats beim
Square-Dance-Treffen in der Hepper-Halle
TÜBINGEN. Aus Nagold und von der
Alb, aus Stuttgart und sogar aus Landau in der Pfalz reisten am Samstag
hunderte von Square Dance-Fans nach Tübingen: zum Club-Treffen in der
Hepper-Halle. Dort gab es auch für neugierige Nicht-Tänzer wippende Petticoats
und wehende Kragentücher zu sehen.
Für die Organisatoren vom Tübinger Square Dance Club war es die erste
Großveranstaltung. Und als Präsident Bernd Lang, von Haus aus Physiotherapeut,
am Nachmittag sah, dass alles bestens lief, war er sichtlich erleichtert und
„sehr zufrieden“. 46 Clubs waren in der Hepper-Halle vertreten: Die Albstädter
nennen sich „Alb Dream Dancers“, die Filderstädter „Tough Ones“. Der Tübinger
Club hat sich den Namen „Stoke-Boat-Promenaders“ gegegeben, nach der „sehr
sehr freien Übersetzung für Stocherkahn“, wie Lang lachend erklärt.
Auch sonst ist dem Club die Identifikation mit der Uni-Stadt anzusehen: Ihr
Banner ziert die Tübinger Neckarfront, die Bühne der Hepper-Halle ist ebenso
in den Stadt-Farben rot-gelb gehalten, wie ihre Tanzkleidung. Bei der
Tanzkleidung gibt es natürlich bestimmte Standards. Der Herr muss ein
langärmliges Hemd tragen, gern gesehen sind auch Kragentücher oder Bolloties
(mit Broschen gehaltene Lederbändchen). Bei den Damen ist der Petticoat ein
Muss und natürlich das „Petti-Pant“, das Rüschenhöschen. Beim Überrock sind,
wie man in der Hepper-Halle sieht, der Gestaltungsfreude keine Grenzen
gesetzt: Manche bevorzugen Blumenmuster, andere Karos. Teils sind die Röcke
mit Pailletten oder Schleifen besetzt. Auf dem Rock eines Teenies swingen
tanzende Mäuse. Und selbst die US-Flagge dient als Motiv.
Es ist übrigens ein Gerücht, dass Square Dance nur mit Country und Western
möglich ist, häufig wird dazu populäre Unterhaltungsmusik gespielt. „Ich habe
auch schon auf einen Zusammenschnitt von klassischer Musik oder auf Anton aus
Tirol getanzt. Das ist dann etwas exotisch, aber es geht sehr gut“, sagt Lang.
Während sich in der Halle die Tänzer formieren – immer vier Paare bilden ein
Quadrat – steht auf der Bühne der „Caller“. Er singt und sagt an, welche
Figuren getanzt werden: „Roll away“ – die Dame gleitet in einer Drehbewegung
zur Seite. „Right Hand Star“ – vier Tänzerinnen bilden einen Stern inmitten
des Quadrats. Schließlich der Klassiker „Do Sa Do“ – die Tanzpartner umkreisen
einander. 70 Figuren gibt es allein im Anfängerkurs.
Beim Tübinger Club hat der 23-jährige Jura-Student Wolfgang Rieger den Part
des Callers übernommen. Früher tanzte er Latein- und Standardtänze, hat die
Gold-Star-Prüfung abgelegt. Irgendwann hat es den Reutlinger dann zum Square
Dance gezogen. Mittlerweile ist Rieger fast Profi, gilt als einer der besten
der Branche. Vier Clubs haben ihn als Caller engagiert. Außerdem gibt er
Kurse. Die Gagen reichten immerhin, damit er sich sein Studium finanzieren
könne, sagt Rieger. „Andere räumen im Supermarkt Regale ein, ich mache Square
Dance.“
Jeder Caller hat seinen eigenen Stil. Manche legen die Tanz-Sequenzen vorher
fest. Rieger moderiert die Figuren am liebsten spontan. Auf jeden Fall muss
eine Bedingung erfüllt sein: Jede Dame muss im Tanz-Quadrat bei jedem Tänzer
vorbeikommen. Und am Schluss muss sie wieder „zu Hause“ bei ihrem
ursprünglichen Partner sein. „Das ist wie ein Schachspiel“, erklärt der
23-Jährige. Man muss die Positionen aufbauen und dann die Situationen wieder
auflösen.
Den Tübinger Club gibt es erst seit zwei Jahren. Er hat aber schon 60
Mitglieder. Dazu gehören alte Square- Dance-Hasen wie der Reutlinger Manfred
Aumiller. Der heute 64-Jährige war vor nunmehr 48 Jahren Kegelbub im
Heidelberger Hauptquartier der US-Streitkräfte. Deren Square Dance-Abende
gefielen ihm so gut, dass er bat, in den Club aufgenommen zu werden. Auch
Neulinge sind bei den Stoke-Boat-Promenaders jederzeit willkommen. So wie Eva
Tantôt. Sie wurde bei einer Veranstaltung des Deutsch-Amerikanischen Instituts
auf den Tübinger Club aufmerksam und ist seither dabeigeblieben: weil ihr die
kommunikative und lockere Atmosphäre so gut gefällt.
INFO Übungsabend der Stoke-Boat- Promenaders: sonntags 17 Uhr im Bühler
Schlosssaal (mit Ausnahme der Fasnet), Kontakt: Telefon (07472) 442671.
Text: Von
Angelika Bachmann
Online-Redaktion: tagblatt online |